Automatische Drehtür mit Flucht- und Rettungswegfunktion von GEZE
Automatische Drehtür mit Flucht- und Rettungswegfunktion von GEZE
Ganzansicht des Johannes Wesling Klinikums in Minden
Ganzansicht des Johannes Wesling Klinikums in Minden

Türen-Engineering in Kliniken

Das Johannes Wesling Klinikum ist derzeit Deutschlands größter und neuester Klinikneubau. Nach dem Entwurf von Harald Klösges vom Düsseldorfer Büro TMK Architekten entstand mit einer Bausumme von 210 Mio. Euro eine hochmoderne „Klinik im Grünen“ mit einer Nutzfläche von 46.000 m², 3.500 Räumen und 864 Betten. Der Krankenhauskomplex verbindet interdisziplinäre und ganzheitliche Behandlungsansätze, modernste Ausstattung und eine patientenfreundliche Atmosphäre mit hoher Wirtschaftlichkeit. Die Anforderung einen Klinikbetrieb auf höchstem Wettbewerbsniveau zu schaffen, bei dem stets Patienten, Besucher und Beschäftigte im Mittelpunkt stehen, wird auch durch die Verwendung von hochwertigen Materialien und Bauelementen erfüllt. Durch die Fassadenkonstruktion aus Glas und Beton entstand in der Eingangshalle eine helle und einladende Atmosphäre, die sich im Klinikinneren fortsetzt.

Begehkomfort und Sicherheit für alle

GEZE trug mit modernster Tür-, Fenster- und Sicherheitstechnik dazu bei, die hohen Anforderungen an den Neubau zu erfüllen. In Bereichen mit Bett- oder Servicetransport, wie z. B. die Patientenmagistrale als einer der „Hauptverkehrsadern“ des Klinikums sowie den Wegen zu den angrenzenden OP-Bereichen, im Eltern-Kind-Zentrum, im Bettenhaus oder den Zugängen zu den Gärten und Höfen wurden fast geräuschlose elektrohydraulische Antriebe des Typs TSA 160 NT zum vollautomatischen Öffnen und Schließen von Drehtüren verbaut. In besonders zeitkritischen Situationen sind sie bereits offen, bevor der Notarzt die Tür erreicht. Sie öffnen und schließen selbsttätig – ein besonderer Vorteil vor allem dann, wenn Hände bereits desinfiziert sind oder das Pflegepersonal keine Hand frei hat. Die berührungslose Ansteuerung erfolgt über einen Flächentaster, der mit dem Ellbogen aktiviert werden kann und die Tür früher öffnet. Für Sicherheit sorgt die Überwachung mit Sensoren, die gewährleisten, dass der Schwenkbereich frei ist, bevor die Tür wieder schließt. Mit seiner Öffnungsautomatik sorgt der Drehtürantrieb TSA 160 NT auch für die komfortable barrierefreie Begehung der Krankenhauskapelle. Er bewältigt hohen Publikumsverkehr und schließt große und schwere Türflügel nach dem Eintreten leise und sicher. Der TSA 160 NT erfüllt alle geltenden Sicherheitsbestimmungen und ist nach DIN 18650 baumustergeprüft und zertifiziert.

Als Alternative können Türen im Normalbetrieb auch offen stehen. Im Eltern-Kind-Zentrum, im Bettenhaus oder den Stationsbereichen, wo sie auch als Fluchtweg- und als Brandabschnittstüren fungieren und den Flüchtenden intuitiv den Fluchtweg zeigen müssen, ist die Sicherung mit einer Feststellanlage, die mit einem Brandmelder verbunden ist, jedoch sinnvoll und notwendig. Im Brandfall löst das System automatisch die magnetische Halterung. Die Tür schließt, so dass sich Feuer und Rauch nicht ausbreiten können. Dies wurde im Klinikum bei ein- und zweiflügeligen Rauch- und Feuerschutztüren, die zudem barrierefrei begangen werden können, mit Türschließersystemen des Typs GEZE TS 5000 R-ISM mit integrierter Rauchschalterzentrale realisiert. Im Brandfall spricht der Rauchschalter an und die Tür schließt selbsttätig. Ansonsten ist eine Feststellung der Tür stufenlos zwischen 80° und 130° möglich, die Feststellposition ist hierbei weiter überfahrbar und gewährleistet im Gefahrenfall die größtmögliche Öffnung der Türflügel. Durch die integrierte Schließfolgeregelung ist jederzeit sichergestellt, dass beide Türflügel nach dem Begehen – zum Beispiel durch flüchtende Personen – wieder einwandfrei schließen und die Tür ihre Funktion als Brandabschnittstür von Neuem erfüllen kann.

TSA 160 NT-F Drehtürantriebe verzögern im Rauch- und Brandfall das Schließen der Türen auch dort, wo der störungsfreie Betrieb des automatisierten fahrerlosen Warentransportsystems so lange aufrecht erhalten werden muss, bis die roboterbetriebenen Wagen aus dem Gefahrenbereich der Türflügel gefahren sind.

Vorbeugender Brandschutz – unverzichtbar

Die rasante Entwicklung der Gebäudetechnik hat erhöhte Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz mit sich gebracht. Da nahezu 90% aller Brandopfer Rauchopfer sind und ein hoher Anteil von materiellen Brandschäden durch Rauch entsteht, muss die Ausbreitung von Brandrauch, insbesondere in Flucht- und Rettungswegen verhindert werden. Im Fassadenbereich des Klinikums wird dies durch eine Systemlösung von GEZE verhindert: die Rauch- und Wärmeabzugsanlage RWA 110E Tandem führt den Rauch bereits beim Entstehen ab. Diese natürlich wirkende Entrauchung nutzt den thermischen Auftrieb – mit Zuluftöffnungen im unteren Wandbereich, z. B. durch Türen und Fenster, und Abluftöffnungen im oberen Wand- und Deckenbereich, um den Rauch in einer stabilen Rauchschichtgrenze oberhalb des Bereiches, in dem sich Menschen aufhalten, zu binden. Die Fassaden-Abluftöffnungen des RWA 110E Systems in Tandemausführung, d.h. an beiden vertikalen Fensterprofilen, wurden mit eleganten Elektrospindelantrieben ausgestattet. Sie sorgen an den schweren und großen Fensterflügeln in nur 60 Sekunden für maximale Öffnungsweiten für den Rauch- und Wärmeabzug und die Rauchableitung. Natürlich können sie auch zur täglichen Be- und Entlüftung verwendet werden.

Kombiniert mit TSA 160 NT Z-Invers-Drehtürantrieben als RWA Zuluftöffnung an den Fassadentüren, die „invers“ arbeiten, d.h. die Tür nach außen öffnen, wird durch den thermischen Auftrieb eine optimale Entrauchung erzeugt. Bei Rauch- bzw. Brandalarm öffnen die Türen und bleiben so lange offen stehen, bis der Alarm zurückgesetzt wird und sie wieder im herkömmlichen Klinikbetrieb begehbar sind. Diese spezifische Lösung gewährleistet Barrierefreiheit und Sicherheit zugleich: Im täglichen Klinikbetrieb sind die Klinikgärten und -höfe barrierefrei begehbar, im Rauch- und Brandfall werden Türen geöffnet und offen gehalten.

Freie Bahn auf Fluchtwegen

Rettungs- und Fluchtweglösungen sind nur dann sicher, wenn sie den örtlichen Bedingungen angepasst sind, denn im Notfall geht es darum, ein Gebäude in Sekundenschnelle verlassen zu können. Zur Absicherung von Fluchtwegtüren dient die Türzentrale TZ 220 N. Ausgestattet mit Nottaste und Schlüsseltaster wurde für die spezifischen Nutzungsanforderungen des Klinikums eine maßgeschneiderte Lösung verwirklicht. Die Türzentrale ermöglicht Befugten das Begehen einer Tür und gibt im Notfall Flucht- und Rettungswege frei. Das geschieht mit der flächig bedienbaren Schlaghaube, die von jedem zu jeder Zeit auch in Paniksituationen schnell und sicher ausgelöst werden kann. Manipulation ist durch einen Sabotage- und Voralarm nahezu ausgeschlossen. Den systemischen Charakter und den Nachhaltigkeitsansatz der GEZE Sicherheitslösungen bringt die Möglichkeit der zeitgleichen Aufschaltung von Drehtürantrieben, Brandschutzanlagen und Zutrittskontrollsystemen zum Ausdruck. Verwirklicht wurde dies in der Patientenmagistrale: TSA 160 NT-F Invers-Drehtürantriebe wurden verbunden mit TZ 220 Türzentralen. Zusätzlich wurde eine Brandmeldeanlage aufgeschaltet. Im Eltern-Kind-Bereich wurde diese komplexe Lösung mit einem Zutrittskontrollsystem komplettiert, das den Zugang berechtigter Personen innerhalb eines definierten Zeitplans regelt und dokumentiert. Im gesamten Klinikkomplex wurden 275 automatische Antriebe des Typs TSA 160 NT und seinen Varianten in Türlösungen verbaut.

Das durchgängige Design der GEZE Türschließerfamilie unterstreicht die Einheitlichkeit der Klinikarchitektur ohne optische Brüche. Im Verwaltungsbereich, im Aufnahme- und Diagnosetrakt, im Bettenhaus und im Auditorium dieses Lehrkrankenhauses der Medizinischen Hochschule Hannover stattete GEZE fast 400 ein- und zweiflügelige Rohrrahmen-, Holz oder Stahlblechtüren mit Obenliegenden Türschließern mit Feststellanlage, T-Stop Gleitschiene oder Freilauffunktion aus. Insgesamt kamen 750 Türschließer der bewährten TS 5000 Reihe zum Einsatz.

Die T-Stop Gleitschiene mit integrierter Öffnungsbegrenzung macht unschöne und nicht ungefährliche Türstopper redundant. Quetschungen zwischen Türblatt und Stopper oder Stolpergefahr kommen nicht mehr vor. T-Stop sorgt damit für erhöhte Sicherheit, Raumästhetik und ganz besonders für Hygiene, da in hygienisch sensiblen Bereichen die Reinigung über die ganze Bodenfläche vorgenommen werden kann. Mit der so genannten Freilauf Funktion „Freeswing“ ist ein Begehen der Tür ohne jeden Widerstand in Öffnungs- oder Schließrichtung möglich, nachdem die Tür einmalig, z. B. morgens, geöffnet wurde. Durch die elektrohydraulische Feststellung erfolgt ein sicheres selbsttätiges Schließen der Tür im Brandfall.

Rundum ist mit dem Mindener Klinikneubau ein hochmodernes Klinikzentrum entstanden, das in der Tür-, Fenster- und Sicherheitstechnik ein richtungsweisendes Beispiel darstellt.